Hier klicken um den Newsletter zu erhalten:

          Startseite
          Infos
          Termine
          Wanderung
          Predigt
          Presse
          Literatur
          Links
          Disclaimer
          Impressum

eMail an das Team

 

Besucher seit 02/2004

Vernetzung Bielefeld

 

„Im Anfang war die Vielfalt...“
von Katrin Stückrath

Der Erste Kongress zur Vernetzung christlicher Schwulen- und Lesbengruppen in Deutschland

Die christliche Lesben- und Schwulenlandschaft ist bunter als der Regenbogen! In Bielefeld trafen sich vom 30.9.-3.10.2005 rund 150 Vertreterinnen und Vertreter von 14 Organisationen. Die Bandbreite reichte vom Netzwerk katholischer Lesben, der ökumenischen HuK, den evangelischen Lesbenorganisationen LuK, LiK und Labrystheia über schwullesbische Gottesdienstgemeinden bis zu freikirchlich organisierten Gruppen wie der Metropolitan Church Community und QueerChrist. Erstmalig war auch das virtuelle Netzwerk Linet-C durch die leibliche Anwesenheit seiner „Netzmeisterin“ vertreten.

Da war es kein Wunder, dass Männer und Frauen anfangs ein bisschen „fremdelten“. Die Schwulen staunten nicht schlecht über die starken Frauenfraktionen. Zum Glück gab es genügend Zeit, sich langsam besser kennenzulernen, z.B. in den Workshops. In ihnen wurden vielfältige Themen angeboten wie Sichtbarkeit in der Szene, Queer-Theologie, Coming Out durchs Internet, Spiritualität für Transgender, die Situation von christlichen Lesben und Schwulen in Europa, politische Perspektiven. Mögliche Vernetzungspunkte konnten auf diese Weise ausgelotet werden. So werden in Zukunft Delegierte aller Gruppen durch eine gemeinsame E-Group miteinander vernetzt sein und die Möglichkeit haben, sich bei aktuellen Anlässen zusammenzutun, z.B. wenn es darum geht, eine Stellungnahme abzugeben, Termine abzusprechen und gemeinsame Aktionen wie etwa zu den Kirchen- und Katholikentagen zu planen.

Wieso kamen wir erst jetzt auf eine so simple Idee? Die Zeit wird nun als reif empfunden, um nach den Ausdifferenzierungen der vergangenen Jahre wieder aufeinander zuzugehen. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass unsere Organisationen in den letzten Jahren personell stagnierten und die Bereicherung von außen gebrauchen können. Außerdem sind wir gemeinsam einfach stärker, z.B. in der Kirchenpolitik. Günstig wirkt sich auch das veränderte gesellschaftliche Klima aus, so dass jetzt mehr Mut besteht, untereinander Informationen weiterzugeben und in der Öffentlichkeit Gesicht zu zeigen. Allerdings – das wurde klar – fühlen sich Lesben und Schwule in ihren jeweiligen Organisationen am wohlsten, und deshalb sollen diese auch weiterhin bestehen bleiben. 

Neben vielen Kontakten, die auf dem Kongress entstanden, wurden am Ende Aktionsfelder für die konkrete Weiterarbeit sichtbar. Zum einen die Öffentlichkeitsarbeit. Als Werbung für schwullesbische Aktivitäten beim Kirchentag 2007 in Köln wurde ein noch nie dagewesenes Ereignis geplant: Beim Christopher-Street-Day 2006 soll ein Wagen mit Kirchentagsbannern und Logos von allen schwullesbischen Gruppen im Umzug mitfahren. Vielleicht mit einem Posaunenchor? Oder doch lieber mit christlicher Rap-Musik? Darauf dürfen wir gespannt sein.

Ein weiteres Aktionsfeld ist die Verbindung zum Europäischen Forum christlicher Schwuler und Lesben. Da das Europäische Forum seinen Schwerpunkt auf Menschenrechtsverletzungen in den europäischen Kirchen legt, wurde eine Zusammenarbeit mit Amnesty International konkretisiert. Um die zum Teil schockierenden Lebenssituationen in den ehemaligen Staaten des Ostblocks kennenzulernen und Schwulen und Lesben von dort Mut zu machen, möchten wir in Zukunft bei unseren Treffen immer Gäste von dort zu uns einladen.

Ein drittes wichtiges Projekt ist, auf längere Sicht ein gemeinsames Internet-Portal (Name: „Kreuz und queer“?) aufzubauen. Man könnte es dafür nutzen, sowohl Informationen an Externe weiterzugeben, z.B. regionale Angebote, als auch um intern Informationen auszutauschen und zu archivieren.

Konkrete kirchen- und gesellschaftspolitische Aktionsfelder zeichneten sich hingegen für den Moment nicht ab. Da von einer Großen Koalition wenig Unterstützung zu erwarten ist, sollten wir zukünftig versuchen, unsere Position in der Öffentlichkeit durch Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband Deutschlands zu stärken.

Auf dem Kongress selbst waren die offenen Angebote für die persönliche Begegnung besonders wichtig. Dies geschah beim Chorsingen („Frauen- und Männerstimmen zusammen klingen einfach besser!“), bei kreativen Workshops und beim gemeinsamen Feiern, z.B. eines Gottesdienstes. Beim Gottesdienst mit Agapemahl zeigten sich die größten Differenzen, was wohl am Stellenwert des Abendmahls/der Eucharistie liegt. Für viele Mitglieder der HuK, die bei ihren Treffen eine ökumenische Mahlfeier halten, bedeutete das Agapemahl einen liturgischen Rückschritt. Dabei wird allerdings nicht bedacht, dass viele Lesben mit der traditionellen Liturgie des Abendmahls ihre Probleme haben, z.B. was die Sühnetheologie angeht. So erwies sich die Form des gemeinsamen Gottesdienstes als Baustelle, die wir noch bearbeiten müssen.

Ein Fazit vom Kongress formulierte ein Teilnehmer von der HuK folgendermassen: „Da kommt viel mehr zusammen, als wenn wir wieder alleine unser Süppchen gebrodelt hätten.“ Deshalb einigten wir uns auf einen neuen Kongresses voraussichtlich Anfang Oktober 2008. Wir wollen uns dann auf den Ökumenischen Kirchentag 2010 vorbereiten, um dort noch bunter, schöner und stärker zu erscheinen.

Queergottesdienst Nürnberg Lesbisch Lesben Schwul Schwule Homosexuell CSD Gottesdienst Termine Informationen Pressemitteilungen Literatur zu homosexuellen Themen Predigt Predigttext Gottesdienst nicht nur für Lesben und Schwule