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Artikel in der Nürnberger Schwulenpost NSP im Mai 2005
„Wir ziehen aus, aus der Brotlosigkeit ....“
Queergottesdienst Nürnberg auf dem Weg in ein neues Zuhause
Ja, es gibt ihn noch: Den Nürnberger Queergottesdienst! Seinen vierten Geburtstag
konnte er bereits im März feiern, wenn auch nicht mehr am Ursprungsort, dem Heilig Geist Spital am Hans-Sachs- Platz.
So mancher sah ihn schon in der Versenkung verschwunden, denn nach dem Verkauf des Heilig Geist Spitals an die Stadt Nürnberg stand die Queergemeinde
erst einmal mehr oder weniger auf der Straße und es kostete dem Team viel Mühe und Überzeugungsarbeit eine Pfarrei zu finden, die dem Gottesdienst für Schwule und Lesben ein neues zu Hause bietet.
Nach einem Umweg über die evangelisch reformierte Gemeinde St. Marta am Bahnhof , öffneten sich nun die Türen von St. Jobst in der Äußeren Sulzbacher
Straße, wo seit Dezember jeden Monat einmal der Gottesdienst gefeiert werden kann. Ab September steht leider schon wieder der nächste Umzug an, der
hoffentlich letzte. Denn wie es ausschaut, kann der Queergottesdienst dann fest in die Pfarrei St. Johannis einziehen und seine einjährige Wanderschaft beenden.
Nach wie vor bietet der Gottesdienst durchschnittlich 40 schwulen und lesbischen
Christen unterschiedlichster Konfessionen einen geschützten Ort wo sie ihre andere sexuelle Orientierung mit ihrem Christsein verbinden können. In den traditionellen
Gemeinden ist das nach wie vor meist kaum möglich, weil alles, was nicht heterosexuell ist für widernatürlich gehalten wird.
Der Nürnberger Queergottesdienst wird als einer der wenigen in Deutschland nach
protestantischem Ritus gefeiert und enthält auch immer mit die Feier des Abendmahls. In München oder Münster zum Beispiel feiert man nach dem
katholischen Ritus, was nicht selten zu Konflikten mit der Amtskirche führte.
Nach vier Jahren wird dem Nürnberger Team nun eine besondere Ehre zuteil. Beim evangelischen Kirchentag in Hannover wurde das Team eingeladen einen
Gottesdienst auszurichten. Und das ganz offiziell und nicht irgendwo im Untergrund! Am Freitag, den 27.Mai ab 14.30 Uhr können nun Schwule und Lesben aus ganz
Deutschland mit den Nürnbergern feiern. Der Gottesdienst steht unter dem Motto: „Warum bist du anders? – Coming out als Exodus“ und findet in der Apostelkirche
von Hannover statt (Cellerstraße/Ecke Gretchenstraße). Außerdem gibt es auf dem Markt der Möglichkeiten einen eigenen Stand der Lesbischwulen Gottesdienstgemeinschaften.
Wer schon vorher neugierig geworden ist, einmal den Queergottesdienst zu erleben
bzw. wieder zu erleben und vielleicht auch nicht unbedingt nach Hannover fahren kann, der ist bereits am Pfingstsonntag, 15. Mai um 19:00 Uhr nach St. Jobst
eingeladen. Wie zu Heilig Geist- Zeiten gibt es inzwischen auch anschließend wieder das sogenannte „Socialicing“, also ein gemütliches Beisammensein mit leckerem Essen und Getränken.
Nähere Informationen - auch zum evangelischen Kirchentag gibt es im Internet unter www.queergottesdienstnuernberg.de
M.W.
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