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Queergottesdienst am 20. Juli 2003
Predigttext: Lukas 5,1-11
"Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Fischer von Menschen sein!"
1. Teil
Wer hat sich nicht schon einmal in der Situation befunden, in der er das Gefühl bekommen hat, die ganze Zeit vergebens zu fischen und keinen Fisch in sein ausgeworfenes
Netz zu bekommen?
Die Fischer in unserer Evangeliumserzählung kommen müde und ausgezehrt nach einer anstrengenden, arbeitsreichen Nacht an Land zurück und tragen das Gefühl des Mißerfolges
in sich, anstatt volle Netze ihren Erfolg nennen zu können.
Wie trostlos mußten sie sich wegen ihres Mißerfolges fühlen, wieviel Hoffnung tragen sie wohl in sich, beim nächsten Versuch mehr erreichen zu können?
Der eine oder die andere von uns kennen vielleicht die Situation, in der man sich den Mißerfolg eingestehen muß, sein Ziel nicht ausreichend erreicht zu haben im Kleinen,
wie im Großen.
Es macht sich eine Verzagtheit breit, in der man sich z.B. in einem Gespräch unverstanden fühlt, in dem man nicht das vermitteln konnte, was es rüberzubringen galt.
Oder wir suchen in der Arbeit nach einer konkreten Lösung und tüfteln und überlegen und drehen uns dabei im Kreis.
Es ist sozusagen eine der Fahrten auf´s Meer, in der wieder nur leere Netze eingeholt werden konnten.
Jedoch ist die Evangeliumserzählung nach Lukas hier noch nicht zu Ende.
Wir hörten, daß am Ufer ein Mann stand, der den Fischern den Rat gab, es noch einmal zu probieren, zu der Tiefe des Sees zu fahren und die Netze erneut zum Fang
auszuwerfen.
Sie befolgten seinen Rat. Warum?
Kannten sie diesen Mann?
Was strahlte er aus, daß sie ihm folgten?
Dieser Mann, Jesus, begegnete ihnen schon, als er die Schwiegermutter Simons heilte.
Und sie sahen, als sie an jenem Morgen an Land kamen, daß ihn das Volk umdrängte und auf das Wort Gottes aus seinem Mund hörte.
Jesus war für sie zu diesem Zeitpunkt kein Fremder, sie spürten die Begeisterung, die er verbreitete, sie hatten von seinen Heilungen gehört und selbst gesehen.
Somit erahnten sie, daß sie sich auf sein Wort verlassen konnten, intuitiv wußten sie, daß er das Leben in Fülle bringt, daß sein Wort Wahrheit bedeutete.
Moment mal - intuitiv?
Mir kommt der Gedanke, daß es in dieser Situation möglich war, daß die Fischer einer inneren Intuition folgten.
Bedeutet Intuition Wahrheit?
Was denkt jeder/jede einzelne von uns über Intuition?
Intuition als Gefühl, das aus dem Bauch kommt, Intuition als innere Stimme, die sagt, was richtig und falsch ist.
Mir selbst geht es immer wieder so, daß ich, gilt es eine Entscheidung zu treffen, in mir abwäge, hin- und herüberlege, ob es richtig ist, was ich tue und wie ich
eventuell handeln werde.
Es ist in mir ein Ort, der mir das Richtige zu fühlen weist.
Jedoch folgte ich oft der Vernunft und entscheide gegen meine Intuition aus Furcht, einen bekannten, bequemen alten Weg zu verlassen.
Oft erkenne ich im Nachhinein, daß ich doch besser auf mein Gefühl im Bauch gehört hätte und die gefällte Entscheidung wäre optimaler ausgefallen.
Wie ging es Simon, Jakobus und Johannes?
Jesus zeigte ihnen, daß sie sich in die Tiefe des Sees begeben sollen, um Netze voller Fische nach Hause zu bringen.
Jesus weist auf die Tiefe hin, damals auf die Tiefe der Fischer und heutzutage auf unsere.
Ich bin überzeugt, daß in der Tiefe des Sees die Intuition ihr zu Hause hat.
Jesus gibt uns diesen Wegweiser, er hält uns an, nicht aufzugeben, es immer wieder zu versuchen mit ihm, seiner Hilfe, mit Gottes Wort.
Was ist nun aus der Intuition der Fischer, Jesu Rat zu befolgen, geworden?
Die Fischer und zukünftigen Jünger Jesu gingen soweit, ihr ganzes gewohntes Leben zu verlassen, als erstes begaben sie sich noch einmal auf´s Meer hinaus, nach erfolgloser
Nacht, sie fuhren zur Tiefe des Sees und fingen eine große Menge Fische, so groß, daß sie ihre Genossen heranwinkten im anderen Schiff, um ihnen zu helfen.
Beide Schiffe waren gefüllt, so daß sie tief einsanken.
Das Evangelium weist darauf hin, daß der Versuch, den intuitiven Weg zu wählen nicht automatisch bedeutet, daß es der Leichtere oder Einfachere wäre.
Nein, es kann anstrengend werden, vielleicht auch gefährlicher, denn die Fischer drohten im ersten Moment unterzugehen.
Sie ließen sich jedoch nicht entmutigen oder in Angst erstarren, sondern verfolgten ihren Weg zu Ende und wurden dafür reich beschenkt.
Mit dieser Erfahrung und diesem Wissen konnten sie den nächsten Schritt gehen und so verließen sie ihr gewohntes, sicheres Leben und gingen mit Jesus, der ihnen sagte, daß
sie sich nicht fürchten sollen und von nun an Fischer von Menschen sein würden.
Sie ließen sich darauf ein, folgten ihm und waren die ersten Wegebereiter unseres heutigen Christentums.
Ihnen wurde das Leben in Fülle geschenkt, jedoch nicht ohne Leid und Schmerz erfahren zu müssen. Sie haben Jesus durch das Kreuz verloren.
Dennoch gaben sie nicht auf, denn Jesus hatte ihnen den Weg zur Tiefe des Sees gezeigt, und die Jünger konnten sich ihr ganzes Leben lang nicht mehr von dieser Wahrheit
lösen.
Durch Gottes Wort waren sie verwurzelt, die Nachfolge Jesu anzutreten, in die Welt hinauszugehen und zu den Völkern zu sprechen, ihnen die Wahrheit zu erschließen.
Die Jünger bildeten eine Gemeinschaft, die unbrechbar war, ist und bleiben wird.
Amen !
2.Teil
Als Queergottesdienstteam haben wir heute durch das Evangelium die Möglichkeit, euch von uns zu erzählen:
Vor 2 1/2 Jahren gründete sich im E-Werk eine Gemeinschaft, die, ab dem Moment der Idee monatlich einen Queer-Gottesdienst hier im ehrwürdigen Heilig-Geist-Spital
feierten.
Bis heute erleben wir durch die Vorbereitungen eine Gemeinschaft, die uns durch das Wort Gottes bereichert und durch´s Leben führt, eine Gemeinschaft, die für mich nicht
mehr wegzudenken ist.
Einen Höhepunkt konnten wir mit vielen von euch als Queergemeinde erleben, als wir Ende Juni mit fast 30 Leuten durch die Fränkische Schweiz wanderten, na ja, nicht durch
die ganze Fränkische.
Für Viele ein nachhaltig schönes Erlebnis, eine schöne Gemeinschaft mit einem guten Geist.
Die monatlichen Gottesdienste sind einigen sicher zur Heimat geworden, die sie in ihren großen Kirchen nicht mehr finden, weil sie durch ihre Homosexualität ausgegrenzt
werden, für den einen mehr, wie für die andere.
Hier kann man Angenommensein finden, jeder/jede kann hier so sein, wie sie/er ist, kann sich z.B. in Fürbitten mit den eigenen Bedürfnissen und Bitten einbringen.
Ich finde, unsere gemeinsamen Gottesdienste sind eine ernstzunehmende Alternative zu den traditionellen Kirchengottesdiensten.
Allerdings wird es mit dem heutigen Sonntag notwendig, uns an euch zu wenden.
Wir sind momentan an einem Punkt, an dem wir nicht sagen können, wie es weitergehen wird.
Unser Team ist leider sehr klein geworden, wir sind nur noch eine gute Handvoll Leute, die zwar motiviert sind und alle bereit, viel Engagement einzubringen, jedoch können
wir es nicht mehr in dieser Zusammensetzung alleine schaffen.
Aus hauptsächlich beruflichen Gründen mußten einige aufhören, bzw. sind in eine andere Stadt gezogen.
Deswegen richte ich mich heute mit dem Appell an euch, mitzumachen, zum Team dazuzukommen, uns zu unterstützen.
Die Möglichkeiten sind vielseitig:
Ihr könnt organisatorisch tätig werden, indem ihr beim sogenannten Socialising mithelft, das nach dem Gottesdienst in der ESG stattfindet.
Es gilt Liturgen/Lieturginnen zu finden, natürlich auch Organisten.
Ihr habt die Möglichkeit, ganz praktische Tätigkeiten zu übernehmen: Ein schöner Altarschmuck möglicherweise oder einen Overheadprojektor, Diaprojektor organisieren, sind
wichtige Bestandteile für den monatlichen Gottesdienst.
Natürlich könnt ihr den Gottesdienst im geistlichen Sinne bereichern: Wir sind monatlich ein Team von zwei bis fünf Leuten, treffen uns zum Vorbereiten mit Bibelarbeit,
persönlichen Gedanken dazu, einer Liedauswahl zum Thema und viele wertvolle Ideen und persönliche Beiträge für die Predigt.
Wir haben am 28.Juli um 19.00 Uhr in Bamberg, im Wilde Rose Keller wieder das halbjährliche Teamtreffen.
Hier wird entschieden, wie wir weitermachen können.
Wir wissen nicht, wie es weitergeht, das hängt vom Teamtreffen ab, wieviele Leute dieses wertvolle Projekt weitertragen können.
Im schlechtesten Fall müssen wir den Queergottesdienst aufhören, im günstigsten Fall kann der Gottesdienst mit der momentanen Zusammensetzung zweimonatlich oder 2 mal im
Halbjahr stattfinden.
Wir brauchen euch! - Dringend!
Einer trage des anderen Last, so werde sich Christi Gesetz erfüllen.
Amen
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