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Queergottesdienst am Sonntag, den 15. Mai 2005 in St. Jobst Nürnberg
Predigt zu Joh 16, 4b - 15 Die Verheißung des Trösters
„Leb wohl!“, „Machs gut!“, „Tschüß und paß auf dich auf!“ - Worte, die wir aus Abschiedsszenen kennen. Abschiedsszenen - da gibt es die
kleineren Abschiede: jeder von uns hat sich schon mehrmals in seinem Leben von einem Freund oder einem Bekannten am Bahnhof oder am Flughafen verabschiedet. Aber wir wissen, in der Regel ist dies kein
endgültiger Abschied. Es gibt ein Wiedersehen, wenn er wieder aus dem Urlaub zurückkommt oder wenn es ein Besuch eines Bekannten war, dann freut man sich vielleicht schon auf den nächsten Besuch, ob er
mich wieder besucht oder ich ihn. Auf jeden Fall: es wird ein Wiedersehen geben. Dieser Mensch ist weiterhin ein Teil meines Lebens.
Aber da gibt es auch die größeren Abschiede: Abschiede, die einem unendlich weh tun können. Und ich bin mir sicher, auch da kann jeder von euch eine Menge
erzählen. Wie weh tut es, wenn die Beziehung zu Ende geht? Wenn der Partner oder die Partnerin, den/die man über alles geliebt hat, die Beziehung beendet. Da wird man nicht selten in ein tiefes schwarzes
Loch gestoßen. Oder der wohl schlimmste Abschiedsgedanke für viele: wenn ein geliebter Mensch stirbt. Von heute auf morgen entsteht eine Lücke, die man meint nicht mehr ausfüllen zu können.
Fragen über Fragen brechen in so einem Moment über einen ein: Wie geht es weiter ohne ihn, ohne sie? Was kommt danach? Wie kann ich ohne ihn, ohne sie
weiterleben?
Auch im Evangelium treffen wir auf eine Abschiedsszene. Nach dem letzten Abendmahl und der Fußwaschung folgt beim Evangelisten Johannes eine sehr lange
Abschiedsrede, aus der wir heute einen Teil gehört haben. Die Situation, in die diese Worte hinfallen ist sehr angespannt. Mit jedem Wort wird den Jüngern klarer, das es Jesus wohl mehr als ernst
meint, mit dem was er sagt: v.a. trifft sie immer wieder die Rede vom Abschied, vom Ende. Jesus sagt ihnen ganz deutlich, daß er weg geht, sie verläßt. Die Jünger mögen in dieser Situation erst einmal
wie vom Blitz getroffen sein und haben auch erst einmal gar nicht so recht verstanden, was da vor sich geht. Die Jünger sitzen während der ganzen Rede wortwörtlich sprachlos da und Jesus liest immer
wieder ihre inneren Fragen von den Augen ab.
Wie es nach dieser Abschiedsrede weitergegangen ist, ist uns bekannt: Jesus wurde gekreuzigt und die Jünger haben sich in ihrer Enttäuschung über die
gescheiterte Hoffnung, die sie in Jesus gesetzt hatten, eingesperrt. Sowohl Johannes wie auch die Apostelgeschichte berichteten davon: Aus Angst haben sie die Türen verschlossen. Keiner sollte rein und
sie selbst wollten erst mal nicht raus.
Ist es bei uns nicht ähnlich? Ja, da mögen sich die Jünger genauso gefühlt haben, wie wir es kennen beim endgültigen Abschied. Auch sie wußten in dem Moment
nicht weiter; haben sich genau dieselben Fragen gestellt, wie wir es in solch einer Situation tun.
Nun, wie ging es mit den Jüngern damals weiter? Was hat sie bewegt, ihr Versteck zu verlassen, die Türen wieder aufzusperren, aus ihrem Loch wieder
herauszukommen?
Es war das Pfingstereignis mit der Sendung des Heiligen Geistes. Vom Geist erfüllt, sind die Jünger wieder hinausgegangen und haben in den unterschiedlichsten
Sprachen zu den Menschen gesprochen. Ich muß diese Stelle aus der Apostelgeschichte nicht näher erläutern.
Aber wer oder was ist dieser Geist, der solches bewirkt? Der es schafft, die Jünger aus ihrer Lähmung wieder herauszulocken.
Auch in der Abschiedsrede wird dieser Geist und seine Wirkung ausführlich beschrieben. Jesus verspricht diesen Geist den Jüngern, damit sie nicht allein sind,
wenn er weg geht: im griechischen Text heißt es, der Paraklet - also ein Trost, ein Zuspruch , eine Hilfestellung.
Was für eine tolle Vorstellung: Jesus geht weg und da er weiß, das dies die Jünger traurig macht, sie in Verzweiflung stürzen wird, verspricht er ihnen Trost
mit dem Geist. Jesus geht, aber er läßt sie dennoch nicht allein.
Warum könnte das nicht auch bei uns so sein? Wenn uns ein geliebter Mensch verläßt, dann ist er in der Regel weg und hat uns in den seltensten Fällen Trost
hinterlassen, eher das Gegenteil ist der Fall.
Aber ich glaube, auch wenn dieser Mensch uns keinen Trost hinterläßt, sind wir trotzdem nicht allein. Wir sind nicht allein, weil auch für uns der Zuspruch
Jesu gilt: Ich sende euch den Geist als Beistand und Lehrer. Und wenn ihr dem Geist folgt, dann werdet ihr wieder Kraft schöpfen können, dann werdet ihr aus euren dunklen Löchern wieder herauskommen,
dann wird euer Leben gelingen. Und dem Geist folgen heißt nichts anderes als sich immer wieder neu bewußt machen, was Jesus uns hinterlassen hat, seine Botschaft, seine Lehre und seine Liebe.
So kann dieser Geist für jeden von uns zu einem Antrieb werden, zu einem Begleiter.
Zu einem Trost in der Trauer, zu einem Begleiter in schweren Stunden und zu einem Antrieb heraus aus der Dunkelheit, aus den Gefängnissen in die wir uns
selbst sperren und vielleicht aus denen, in die uns die Gesellschaft sperrt.
Der Geist als Begleiter durch die Nacht.
Amen
Predigt - Nachschlag“er“ : Nana Mouskouri, Durch die Nacht
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