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Queergottesdienst am Ostersonntag, 20. April 2003, 19.00 Uhr
Predigt über 16, 1-8
Was macht Auferstehung möglich?
„Freuet euch, das Grab ist leer.“ wurde soeben gesungen. Das ist ja gut gemeint, aber die Frauen am Grab freuten sich nicht.
„Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich.“
Mit diesen Worten endete unser Lesungstext am Ostersonntag und die Exegeten verraten uns, dass dies auch der Originalschluss des Markusevangeliums war.
Und weil das den nachfolgenden LeserInnen des Evangeliums doch etwas zu wenig österlich war, fügten sie noch einige beeindruckende Auferstehungserfahrungen
hinzu.
Wir sparen uns heute solche Beschönigungsversuche und bleiben beim Original:
„denn sie fürchteten sich“
kein Freudentaumel, keine Ekstase, keine Verzückung, keine Osterhäschen und kein Osterei, nur die aufgehende Sonne eines Montagmorgen nach einem schrecklichen
Wochenende, an dem der beste Freund, der Hoffnungsträger brutal gefoltert und hingerichtet wurde.
Der Evangelist Markus hat es scheinbar nicht nötig uns eine heile Osterhasenwelt zu präsentieren. Er bleibt nüchtern, hart an der Wahrheit.
Doch das Leben der Frauen geht unerbittlich weiter, rücksichtlos über Schicksalsschläge hinweg.
Und das ist auch gut so.
Denn dadurch können wir an dieser Ostererzählung sehr viel über Gott und die Menschen und vor allem über die Auferstehung lernen.
An diesen acht Bibelversen lassen sich die Bedingungen ableiten, unter denen Auferstehung auch heute möglich ist und geschieht.
Ich möchte Euch und Sie einladen, das Osterevangelium daraufhin zu untersuchen.
1. Was sind das für Menschen, die Auferstehung erleben. Was ist mit denen?
- Frauen waren damals das minderwertige Geschlecht. Sie hatten in Gesellschaft, Politik und Kirche kaum etwas zu sagen. Darüber können auch die wenigen
Prophetinnen, die das alte Testament kennt, nicht hinwegtäuschen. Sie waren die Ausgegrenzten und Mißachteten.
Sie begreifen es als erste, nicht die Männer, die Jesus, als der noch lebte, große Versprechungen gemacht hatten.
Schon der irdische Jesus hatte die Frauen bevorzugt behandelt. Diese Haltung zu den Ausgegrenzten setzt er nach seinem Tod fort.
- Die Frauen waren Jesus auch bei seiner Kreuzigung konsequent treu geblieben.
Sie standen am Kreuzweg, als sein bester Freund Petrus gerade jede Verbindung zu Jesus abgestritten hatte. Viele Frauen, auch die des Ostermorgens, standen
unter dem Kreuz, sie waren dabei als Jesus ins Grab gelegt wurde. Und kaum ist die Sabbatruhe vorbei, kommen sie schon wieder zu Jesus, um ihn mit wohlriechenden Ölen zu salben, damit sich der Leichnam
noch ein bißchen länger hält.
Die Frauen hielten an Jesus fest, auch wenn es eigentlich keinen Sinn mehr machte, als alles schon völlig aussichtslos erschien, als alles vorbei war. Die
Frauen hielten sich auch noch in der verzweifelsten Lage an Gott fest.
- Andererseits sind die Frauen, die Auferstehung erleben, ganz normale Menschen.
Sie machen sich Sorgen, wer den Stein wegwälzt, doch die Sorge stellt sich – wie so oft im Leben – als unnötig heraus.
Sie leiden daran, dass mit Jesus ihre Hoffnung auf ein besseres Leben gestorben ist und gerade dieses Leiden treibt sie zum Grab und damit zu Gott.
Und sie erschrecken und fürchten sich, als Gott ihnen begegnet. Denn Gott begegnet Menschen vor allem dann, wenn sie es nicht erwarten.
Die Frauen am Grab vertreten alle Menschen, denen der Auferstandene begegnet:
Es sind vor allem die Ausgegrenzten und Außenseiter, denen Jesus sich zuwendet, heute sind es vielleicht die AusländerInnen, die Häßlichen, die Dummen, die
Behinderten; alle, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen, also alle, die irgendwie queer sind. Alle diese sind den Frauen am Grab und damit dem Auferstandenen besonders nahe.
Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung sind aber auch alle Leidenden. Und manchmal finde ich es unerträglich, dass Menschen oft erst bis ans Ende des
Ertäglichen kommen müssen, bis Gott eingreift, bis Gott hilft. Das ist die Botschaft von Kreuz und Auferstehung.
Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung sind aber auch alle Betenden. Vor allem solche, die sich auch in der Verzweiflung noch an Jesus festklammern, die
Gott mehr zutrauen, als sich Menschen vorstellen können.
Wer ausgegrenzt, leidend und betend ist, hat am meisten Chancen, eine Auferstehung zu erleben.
2. Wie passiert das dann? Wie geht Auferstehung oder was ist das?
Wir von der Vorbereitungsgruppe haben uns heute entschieden, nicht auf die Auferstehung der Toten zu schauen. Wichtig ist uns die Auferstehung, die uns hier
und jetzt im Leben passieren kann.
Und auch dazu lernen wir etwas bei Markus:
Bei Markus bricht die Auferstehung völlig unerwartet in das Leben der Frauen ein. Damit hatten sie wirklich nicht gerechnet.
Auferstehung ist aber auch erschreckend und verwirrend. Zunächst können die Frauen überhaupt nichts mit der Botschaft des Engels anfangen. Sie können es
noch nicht begreifen, dass es anders kommt, als sie es traurig gedacht hatten.
Und: Die Auferstehung fordert ein neues Handeln von den Frauen. Sie sollen sich nicht zurückziehen und schweigen, wie sie es zunächst tun, sondern sie sollen
verkünden, was sie erlebt haben.
Auferstehung kommt unerwartet, ist zuerst verwirrend und ermöglicht, ja fordert von uns ein Neues handeln.
3. Wo und wie erleben wir Auferstehung?
Auferstehung kann das Ende einer langanhaltenden Depression sein,
das Grün der Bäume nach einem grauen Winter ,
die Antwort auf eine Frage, auf die ich lange eine Antwort gesucht habe,
ein neuer Beruf, die langersehnte Partnerin oder das erste Schokoladenei nach sechs Wochen Fastenzeit.
Wir möchten euch und Sie nun einladen, eigene Auferstehungserfahrungen im Leben zu suchen:
Wann war ich ausgegrenzt oder leidend und betend?
Wann habe ich erlebt, dass Gott in mein Leben unerwartet eingegriffen hat?
Wann und wie habe ich die Auferstehung im meinem Leben erfahren?
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