Hier klicken um den Newsletter zu erhalten:

          Startseite
          Infos
          Termine
          Wanderung
          Predigt
          Presse
          Literatur
          Links
          Disclaimer
          Impressum

eMail an das Team

 

Besucher seit 02/2004

Predigt April 2002

April 2002

Predigt zu Apostelgeschichte 17, 22-28a (28b-34)

 

Ich freue mich darüber, dass mir die Aufgabe zugefallen ist, über den heutigen Evangelientext zu sprechen; ja es scheint mir sogar eine Fügung zu sein, denn diese Geschichte von Petrus in Athen ist auch meine Geschichte. Es ist die Geschichte davon, wie ich meinen Gott kennerlernte. Wie ich von der Athenerin, der griechischen Philosophin zur bekennenden Christin wurde. Und da ich keine Theologin bin, werde ich euch statt zu predigen, von dieser meiner ganz persönlichen Erfahrung erzählen.

Ich wuchs in einem von Intellektualität geprägtem Umfeld auf; in einer anthroposophischen Familie, in der man mir unter anderen auch ganz bewußt die christlichen Werte vermittelte. Mit meiner tiefen kindlichen Religiosität vertraute ich einem Gott, den ich noch nicht kannte. Ich hatte Ehrfurcht vor ihm (vielleicht auch etwas Angst?) Vor allem aber war er mir fremd. Er war ganz weit da oben im Himmel – und ich verstand bald, dass ich ihm erst begegnen würde, wenn ich noch besser philosophierte als die Eltern und Lehrer; ja sogar schlauer sei als unsere Priester, denn sogar diese konntn sich nur bedauerlich selten dafür rühmen, dass sie es zu einer „Erkenntnis“ gebracht hätten.

Ja, die „Erkenntnis“ wurde auch für mich zum höchsten Ziel, um einst einen verstohlenen Blick in die „geistige Welt“ werfen zu dürfen.

„Der Gottesgeist wird sein mit dir, wenn du ihn suchest!“ Das waren die Worte welche die Priesterin im Allwöchentlichen Kindergottesdienst an mich richtete; und ich gab stets zur Antwort: „Ich will ihn suchen!“

Ja, ich wollte ihn suchen und nach der Konfirmation entdeckte ich bald die Freude am Philosophieren, las Vorträge von Rudolf Steiner und diskutierte nächtelang mit Freundinnen.

Verbissen kämpfte ich mich durch die folgenden Jahre – nach dem Leistungsprinzip. So versuchte ich mir die Anerkennung und das Wohlwollen meiner Mitmenschen, meiner Eltern und der Gnade Gottes zu erkaufen.

Die unvergebenen Sünden und die verbrauchten Kraftreserven trieben mich in eine schwere Depression.

Was Paulus den Athenern erzählte, das vermittelte mir dann das Erlebnis Taize. Hier begegnete ich gläubigen Christen, modernen Aposteln, die mir das Wesen meines Gottes erklärten. Sie waren überzeugend durch ihre Authentizität; ihre fröhliche und lebensbejahende Haltung. Sie waren befreit von der Last ihrer Sünden, kannten und lebten den Sinn ihres Lebens: die Liebe.

Auf einmal erschlossen wich mir die Inhalte der christlichen Botschaft in ihrer überzeugenden Einfachheit: Gott ist der Schöpfer allen Seins. Er ist mächtiger als unsere vermeintlichen Sicherheiten, die wir uns durch eigene Kraft und Intelligenzleistungen geschaffen haben. Er hat mich erschaffen und nicht umgekehrt!

Paulus sagt, Gott lasse sich nicht bedienen, als habe er es nötig. Da wurde mir mein Trugschluss beschämend bewusst und ich verstand was Christen meinen, wenn sie beten: „dein ist die Kraft und die Herrlichkeit.“ Gott schenkt sich mir. Ohne ihn bin ich ein Nichts, doch mit ihm bin ich alles!

Paulus spricht von Zeiten und Grenzen, die Gott für uns Menschen festgesetzt hat. Mein Schöpfer hat einen Plan für mich, ein Schicksal. Wenn ich auf dem Weg gehe den Gott für mich vorgezeichnet hat, dann führt dieser mich sicher zu ihm zurück; dann bin ich nicht gefangen im Rad der Reinkarnationen.

Weiter spricht Paulus: „die Menschen sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.“

Jetzt begriff ich auch wie ich ihn suchen sollte: nicht allein durch den Verstand nämlich, sondern vor allem mit dem Herzen!

Er war bei mir und wartete darauf, dass ich ihm mein Herz öffnete. Nur das allein erwartete er von mir!

Ich fragte und bekam die Antwort; suchte und fand; klopfte an und mir wurde aufgetan.

Gott sieht gnädig über meine Unwissenheit hinweg und vergibt mir meine Sünden.

Christus ist für mich gestorben und hat den Tod überwunden. So wie er, darf auch ich zu meinem Schöpfer zurückkehren.

Die Botschaft ist großartiger als sie mein kleines Herz jemals fassen können wird.

Als moderne Athenerin hatte ich noch darüber gespottet, denn Wunder gab es nicht in meiner Philosophie. „Darüber wollten wir dich (Paulus) ein andermal hören“ hatten die Athener damals gesagt. Ganz uninteressant fanden sie seine Neuigkeiten wohl nicht. So muss auch ich damals irgendwie fasziniert gewesen sein, sonst hätte ich mich nicht nach all meiner Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit auf den Weg nach Taize gemacht. Dort wurde mir klar, dass ich umkehren, meine alten Wege hinter mir lassen musste um Christus nachzufolgen – und zwar ebenso konsequent und bedingungslos wir die namentlich erwähnten Athener. Diese haben sich Paulus angeschlossen und sind damit selbst zu Aposteln geworden.

Auch für mich ist Paulus ein überzeugendes Vorbild: er spricht mit den Menschen in ihrer Sprache, verurteilt sie nicht, holt die dort ab, wo sie stehen, drängt sich nicht auf und LEBT SEINEN GLAUBEN.

Amen.                                                                                         

Queergottesdienst Nürnberg Lesbisch Lesben Schwul Schwule Homosexuell CSD Gottesdienst Termine Informationen Pressemitteilungen Literatur zu homosexuellen Themen Predigt Predigttext Gottesdienst nicht nur für Lesben und Schwule