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Predigt März 01

1. Queergottesdienst am Sonntag, den 25. März 2001

Was wir zum Leben brauchen - Brot zum Leben

Was ist für mich "Brot des Lebens"? Was hält mich am Leben? Was macht mich lebendig?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich heute mal ganz persönlich von mir erzählen. Vielleicht findet sich die eine oder der andere in meinen Erlebnissen wieder.

So etwa im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren entdeckte ich in mir eine ganz große Sehnsucht. Es war die Sehnsucht nach Leben, nicht nur nach So-dahin-leben, sondern Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, sozusagen nach Vollkornbrot.

Dazu gehört für mich: ein Beruf, der mir Spaß macht, meine Hobbies, gute Freundinnen und natülich - die Liebe.

Gut, einen Beruf, der mir Spaß macht, hatte ich nach einigem Suchen gefunden, ebenso Hobbies und Freundinnen, aber die Liebe - ?

Da ergibt sich ein Problem: Ich arbeite bei der Katholischen Kirche.

Was macht frau mit Problemen, die sich schlecht lösen lassen?

Ganz einfach, sie werden erstmal verdrängt. Problem gelöst, oder?

"Alles Verborgene wird sichtbar werden", heißt es irgendwo in der Bibel.

Und paradoxerweise habe ich gerade dort meine verdrängte Sehnsucht nach Liebe und gelebter Sexualität am meisten bemerkt, wo dieses "schmutzige" Thema natürlich nicht hingehört - im Gebet.

Ich meditiere seit einigen Jahren mehr oder weniger regelmäßig, manchmal auch auf mehrtägigen Exerzitien. Als ich also eines Tages vor meinem Gott auf dem Meditationshocker saß, drängte sich ein Gedanke derart massiv in mein Bewußtsein, dass es mit der gewünschten Aufmerksamkeit für Gott erstmal vorbei war - und das für Stunden!

Es war die Sehnsucht nach einer Frau - und zwar nicht nur platonisch.

 

Gerade im Gebet, d.h. in der Stille, im Einfach-nur-Dasein wurde mir klar, dass ich einen wesentlichen Teil von mir massiv verdrängte. Aufgrund dieser Erfahrung krabbelte ich dann ganz langsam aus meinem Schrank - und es ergaben sich ganz neue Lebensmöglichkeiten.

Dieser Weg ist bis heute mein wichtigstes "Brot des Lebens" geblieben.

Immer wenn ich merke, dass in meinem Leben nichts weitergeht und sich der Fluss des Lebens meterhoch angestaut hat, ziehe ich mich in die Stille zurück.

Dort begegnet mir das, was größer ist als ich und mehr vom Leben versteht als ich. Ob ihr es Gott, Göttin, Geistin oder sonstwie nennen wollt, ist mir eigentlich egal.

Jedenfalls glaube ich, dass es eine ganz große Klarheit und einen tiefen Frieden gibt, der in jeder und jedem von uns wohnt.

Im Alltag ist es oft nicht möglich auf diese Klarheit in uns zu hören. Und auch wenn ich mal abschalten will, begegnet mir oft alles andere als "Innerer Frieden".

Ich habe es als lebensnotwendig erlebt, sich diesem inneren Chaos immer wieder zu stellen und es Gott hinzuhalten. Sei ganz aufmerksam für das, was in dir eigentlich drin ist und was in dir eigentlich gelebt werden will. Hör auf das, was jetzt grad in dir schreit.

Der biblische Gott ist das, was von sich sagt: "Ich bin da!" Die Fülle des Lebens ist da, ist in dir drin. Wenn du auf diese leise Stimme in dir hörst, wirst du den nächsten Schritt zum Leben finden.

Amen

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