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Predigt Januar 2004

Queergottesdienst am 18. Januar 2004

Segenspredigt

Zu Beginn diesen Neuen Jahres traf sich das Vorbereitungsteam in Nürnberg, um diesen Gottesdienst zu planen und zu gestalten.

Ich selbst hatte schon vor Wochen einen Blick in die Losungen 2004 geworfen und eignete mir, weil ich nicht richtig hingeschaut habe, eine falsche Bibelstelle für den heutigen Tag an, grübelte hin und her, wie sich wohl eine Brücke zu unserem heutigen Thema herstellen ließe.

Im Team stellte sich der Fehler heraus und beschenkt wurden wir mit dem Text aus Römer 12, Vers 9-16.

In Vers 14 heißt es tatsächlich: Segnet eure Verfolger, segnet sie, verflucht sie nicht.
Hier war er, der Segenstext und wir haben im Juli 2003 geplant, für den Januargottesdienst einen ersten Segnungsgottesdienst zu versuchen und da kannten wir die Bibelstelle für den heutigen Sonntag wahrlich noch nicht.
Es traf uns wie ein kleines Wunder, alleine das halten wir für einen Segen.

Aber Paulus macht es uns trotzdem nicht einfach, wenn er schreibt: Segnet die Verfolger..... .
Das ist natürlich nicht unbedingt das, was wir gerne hören wollen.
Ist uns zum Beispiel nach Segnen zumute, wenn wir beim Nürnberger CSD die Bibeltreuen Christen gegen uns Homosexuelle dozieren hören?
Das ist sehr unwahrscheinlich, denke ich.

Oder als ich mit meiner Freundin händchenhaltend durch die Fußgängerzone einer Großstadt ging und wir von vier Rechtsradikalen angepöbelt wurden.
Keine sehr segensreiche Begegnung - nur beängstigend.
Ihr könnt sicherlich aus eurem Leben Erfahrungen und Erlebnisse ergänzen, die ihr als nicht gesegnet erleben musstet.

Wie also damit umgehen, was kann ich, was können wir als Vorbereitungsteam aus diesem Text herausholen und euch als Gemeinde mit in den Alltag geben für Gedanken, die euch erreichen, euch weiterbringen, euch guttun?
Für uns steckt die Aufforderung an unser Leben in dem Text: Bleib nicht bei dir selbst, dreh dich nicht nur um dich selbst, sondern geh zu den anderen, höre dir ihre Sorgen und Nöte an.

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.
Ich werde von Paulus aufgefordert, so wie damals auch die Römergemeinde vor vielen 100 Jahren, darüber nachzudenken, dass es nicht selbstverständlich ist, in dem Leben zu stehen, in dem ich mich gerade und glücklicherweise befinde.
Wie leicht hätte ein Schicksalsschlag alles verändern können oder kann es noch und dann fände ich mich vielleicht als Sozialhilfeempfängerin wieder, die ganz am Rande der Gesellschaft steht und von Politik und auch manchen Menschen abgeurteilt wird.

Seid einander in brüderlicher und schwesterlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.
Ich habe tagtäglich die Möglichkeit, meine alten Denkstrukturen zu verlassen, mir darüber klar zu werden und es auch im täglichen Umgang mit meinen Mitmenschen umzusetzen, dass ich kein Recht habe, andere zu beurteilen und zu bewerten.
Wie schnell ist ein Mensch nicht nur be- sondern verurteilt, wie leicht tue ich meinen Teil dazu, einen Menschen an den Rand der Gesellschaft zu drängen.
Wenn ich andere kleinmache, mache ich mich groß oder bilde mir dies zumindest ein. Das macht mich aber nicht zu einem besseren Menschen.Segnet eure Verfolger, segnet sie, verflucht sie nicht.

Wer sind meine Verfolger?
Menschen, die gegen mich sind, die meinen zu wissen, was das Beste für mich sei, die mich diskriminieren, mir weh tun und mich verletzen.
Aber ich denke auch, Menschen, die ich nicht verstehen kann in ihren Handlungen, deren Aussagen mir fremd sind, deren Ideen mir widerstreben, deren Taten mir Angst machen.
Paulus meint mit seiner gegenseitigen Achtung, dass wir anderen guttun sollen, ein Segen sein, aber auch gleichzeitig befähigt sind, das auch wirklich umzusetzen, weil wir es können und zwar so, wie wir es uns für uns selbst wünschen würden, wie wir möchten, dass uns Menschen entgegenkommen, denn jeder Mensch hat es gleich gut verdient, keiner mehr oder weniger.

Und bei einer Segnung kann die Erfahrung echter Annahme zum Tragen kommen.
Segen kommt zuerst von Gott, wir Menschen können diesen Segen weitergeben in brüderlicher und schwesterlicher Achtung. Mit dem Empfangen von Segen übernehme ich auch eine Verantwortung, dass ich hinausgehe in mein Leben und mit der Energie, die ich durch den Segen empfangen habe, etwas mache für meine Mitmenschen, nicht mehr bei mir bleibe und mit den Fröhlichen fröhlich sein kann und mit den Weinenden weine, bei ihnen stehenbleibe und ihnen zuhöre, ihr Leid nicht länger übersehe.
Und lesen wir bei Paulus weiter, dann steht dort geschrieben im Vers 18:
Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
Dann werde ich ein Segen, wenn ich tagtäglich versuche, Frieden zu halten in meinem Alltag und die Menschen annehme, wie sie sind und wie ich mir selbst wünsche, angenommen zu sein.

Amen

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