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Gedanken zum fehlenden Gottesdienstraum für den Oktober-Gottesdienst im Jahr 2004 (von Bernd Held)
Philliperbrief des Apostel Paulus Kap. 1: 6
Ich vertraue darauf, dass er (Gott), der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird...
Liebe Queer- Leute und Freunde!
In der Bibel gibt es eine Geschichte, da ist Jesus gerade von seinen Reisen mal wieder Zuhause in Kafarnaum, da kommen ganz viele Leute und suchen die Begegnung mit ihm
und wollen seine heilenden und mutmachenden Worte hören, da ist das Haus bald so gerappelt voll und draussen sitzen sie schon vor den Fenstern und auf den Treppenstufen, da kommen immer noch Leute, die
hatten es etwas beschwerlicher herzukommen, denn sie tragen auf einem Bett ihren Freund, und der ist ein Krüppel, so eine Randfigur der Gesellschaft, und die können nur noch ganz hoch aufs Dach, wenn sie
was von dieser Begegnung mit Jesus erleben wollen. Und dann reissen sie das Dach einfach auf und aus der Luke kriegen sie dann alles mit und plötzlich sind sie ganz nah beim Geschehen und die Begegnung
des verkrüppelten Mannes mit Jesus steht im Mittelpunkt der Geschichte.
Für mich hat es als schwuler Christ auch etwas länger gedauert, bis ich meine Dachluke in der Kirche gefunden und als schwuler Mann einen offenen Zugang zu Jesus erlebt
habe. Die Queer- Gottesdienste in der Heilig- Geist- Kapelle waren da für mich schon eine wichtige Erfahrung: hier erfuhr ich heilsam, dass meine schwule Identität und mein Jesus- Glauben zusammengehören
und ich einen Platz in der christlichen Gemeinschaft habe, wo ich als ganzer Mensch willkommen bin, ohne einen wesentlichen Teil von mir abzuspalten.
In der Heilig- Geist- Kapelle können wir jetzt nicht mehr bleiben! Im Oktober ist sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, im November hätten wir prinzipiell zwar noch
die Möglichkeit sie zu nutzen, aber dann bleiben ihre Pforten ab Dezember offensichtlich für uns geschlossen.
Unsere Anfragen vom Gottesdienst- Team an die Gemeinden in St. Martha (ref.), an St. Egidien (luth.), an St. Jakob (luth.) und an St. Klara (kath.) in der Innenstadt
blieben ohne die erhoffte Resonanz auf Herberge und Obdach für unsere Gottesdienstgemeinschaft.
Im Klartext: Wir stehen auf der Straße. Ob es eine Luke oben auf dem Dach gibt? Wer zerrt uns rauf aufs Dach mit unserer Trage, wenn sonst nichts mehr geht? Hat unsere
schwul- lesbische Geschichte so ein Happy- End mit Jesus wie bei der Begegnung mit dieser anderen Randfigur, dem gelähmten Mann?
Wenn Paulus in dem Bibelvers aus dem Phillipertext so vertrauensvoll von Gottes Werk spricht, dass ER anfängt und dann auch fertig bringt, dann möchte ich dies gerne wie
eine Zusage Gottes einklagen:
Hey, guter Gott- du hast da was Gutes und sehr Wichtiges in meinem, in unserem Leben begonnen... Du hast zugesagt, dass du nicht ein Werk deiner Hände nicht fahren
lassest... ich leg dich drauf fest... wir brauchen einen Versammlungsort... und bitte: wenn es nur eine Dachluke ist...
Amen.
(Erstveröffentlichung im Infobrief)
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